Im Interview: Der Deutsche Buchpreis

Am 09. Oktober wird zum 13. Mal der Deutsche Buchpreis für den deutschsprachigen „Roman des Jahres“ verliehen. Wie jedes Jahr wurden die Nominierungen der Jury heiß erwartet und dann noch viel heißer diskutiert. Die sechs Romane auf der Shortlist sind aktuell im NetGalley-Katalog für Sie verfügbar!. Zur Lektüre liefern wir nun außerdem einen Blick hinter die Buchpreis-Kulissen: Lesen Sie das Interview mit Gunvor Schmidt und Anne-Mette Noack aus dem Team rund um den Preis.

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Foto ©Christina Weiß

Über den Preis

Der Deutsche Buchpreis ist 2005 zum ersten Mal vergeben worden. Damals wie heute war das Ziel des Preises, aktuelle deutschsprachige Literatur im In- und Ausland stärker in den Fokus zu rücken. Die Zeit war reif für diesen Preis: Kein anderer Preis in Deutschland zeichnete einen einzelnen Roman des Jahres aus, keiner arbeitete mit einer veröffentlichten Vorauswahl (Longlist und Shortlist). Vorbilder dafür gab es damals in England (Man Booker Prize) oder Frankreich (Prix Goncourt). Der Plan ging auf, der Deutsche Buchpreis ist inzwischen der publikumswirksamste Literaturpreis in Deutschland, die Diskussion über neue Romane in der Öffentlichkeit und in den Medien hat spürbar zugenommen.

Der Buchpreis im Interview

Wie lange arbeiten Sie schon für den Buchpreis und was sind Ihre Aufgaben?

Gunvor Schmidt: Vor fünf Jahren bin ich beim Deutschen Buchpreis eingestiegen, als eine von zwei Personen. Seit Ende des letzten Jahres habe ich die Leitung des Deutschen Buchpreises übernommen, und das heißt: Organisation und Entwicklung des Preises von A bis Z, vom strategischen Gespräch mit Partnern und Dienstleistern über klassisches Projektmanagement bis zur Catering-Bestellung für eine Jurysitzung. Ich bin, wenn man so will, die Schaltzentrale für den Deutschen Buchpreis. Es gibt keine Zeit des Leerlaufs im Buchpreis-Jahr, nach der Buchmesse findet schon die nächste Jury-Wahl statt. Der Preis hält mich laufend in Atem.

Gunvor Schmidt Boersenverein
Anne-Mette Noack Boersenverein

Anne-Mette Noack: Für den öffentlichen Auftritt und die Vermarktung des Preises bin ich schon seit über sechs Jahren verantwortlich. Seit Ende 2016 gehören nun auch die Kulturprojekte des Börsenvereins in meinen Verantwortungsbereich und damit auch der Deutsche Buchpreis. Dadurch, dass ich nun auch inhaltlich den Preis mitgestalten kann, ist er mir noch einmal mehr ans Herz gewachsen und die Zusammenarbeit mit Gunvor Schmidt ist sehr intensiv und inspirierend, weil wir beide sehr unterschiedliche Blickwinkel auf den Preis haben und uns dadurch hervorragend ergänzen.

Worauf freuen Sie sich jedes Jahr am meisten?

Gunvor Schmidt: Natürlich ist die Preisverleihung der absolute Höhepunkt, auf den ja auch vieles hinläuft. Wenn das eine gute Veranstaltung wird, bin ich sehr, sehr glücklich. Persönlich machen mir aber auch die Jurysitzungen sehr viel Freude, weil ich es sehr spannend finde zu erleben, wie die Listen entstehen, wie die Entscheidungen getroffen werden.
Anne-Mette Noack: Ganz besonders spannend finde ich das erste Treffen der Jury, denn die Jury bestimmt ja maßgeblich das Buchpreisjahr. Es treffen sieben Persönlichkeiten aufeinander, die sich zum Teil noch nicht persönlich kennen, mit dem Wissen, dass sie die nächsten Monaten sehr eng zusammenarbeiten werden – das ist doch unglaublich interessant. Und dann ist da natürlich mein absolutes Highlight, der Abend der Preisverleihung und der Moment, wenn alles wunderbar gelaufen ist und sich unsere Gäste mit dem frisch gekürten Preisträger zum Empfang in der Römerhalle treffen.

Wie oft hat Ihr persönlicher Favorit schon gewonnen?

Gunvor Schmidt: Ich lese langsam, und habe mir angewöhnt, mich erst im Nachhinein durch die Longlist zu lesen. Dadurch entwickle ich meistens, bevor die Preisträger-Entscheidung getroffen wird, noch keinen Favoriten. Das ist auch ganz sinnvoll so.
Anne-Mette Noack: Leider schaffe ich es nicht alle Romane der Longlist zu lesen, meist picke ich mir 2 – 3 Bücher raus und freue mich natürlich, wenn sie es auf die Shortlist schaffen. Beim Shortlist-Abend in Frankfurt habe ich das Glück alle Autoren persönlich kennenzulernen und es gab noch kein Jahr in dem ich es einem Autoren nicht gegönnt hätte Preisträger zu werden.

Was war das Aufregendste/Bemerkenswerte, was bisher in einem Buchpreis-Jahr passiert ist?

Gunvor Schmidt:  Irgendwo existiert ein Blog-Eintrag eines ehemaligen Buchpreisbloggers, der sich den Skandalen des Deutschen Buchpreises widmet, der fasst einige der besten Aufreger gut zusammen. Wobei das, was in der Presse große Wellen schlägt, für uns oft viel weniger aufregend ist als manche andere Sachen, die hinter den Kulissen passieren – und die zum Glück niemand mitbekommt! Aber auch so etwas wie die Vergabe des Literaturnobelpreises an Herta Müller, als sie zeitgleich auf der Shortlist stand, sind sehr schöne und aufregende Erlebnisse, zumindest für meine Vorgänger, die damals schon dabei waren.

Wir veranstalten ja dieses Jahr erstmals den Buchblog-Award und es ging zum Start der Abstimmung heiß her! Gab es beim Buchpreis schon einmal lustige Pannen?

Gunvor Schmidt: Lustige Panne ist für mich, im Zusammenhang mit der Preisverleihung, ein Oxymoron. Aber natürlich gab es noch kein Jahr, in dem alles nach Plan verlaufen ist!

Wir bedanken uns ganz herzlich für das Interview und warten gespannt auf die Verkündung des Siegers am 09. Oktober 2017!

Die Shortlist 2017

6 Romane hat die Jury auf die Shortlist gewählt – im NetGalley-Katalog können Sie Ihre Favoriten jetzt anfragen!

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