Von Geschichten lernen: 7 Tricks aus dem Storytelling für Buchblogs

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Auf den diesjährigen buchmesse:bloggersessions18 durften wir Janine von Frau Hemingway bei einer Session über Storytelling für Buchblogs zuhören. Aktuell ist Storytelling in aller Munde – man versteht darunter das Verfassen von Artikeln, Rezensionen u.ä. nach dem Muster von erzählenden Geschichten. Diese Methode wird immer beliebter, da mittlerweile bewiesen ist, dass wir Menschen kausalen und noch dazu spannenden Geschichten besser folgen und sie interessanter finden. Wie Sie dieses Mittel auch für Ihre Rezensionen umsetzen können, hat Janine hier noch mal in einem Gastbeitrag zusammengefasst. Ganz herzlichen Dank dafür – und Ihnen viel Spaß beim Lesen!

Deutsche lesen im Durchschnitt 12 Bücher pro Jahr. Mein Buchkonsum ist um einiges höher! Wenn ich mich nach dieser Angabe richten müsste, dürfte ich ab Februar jeden Jahres keine Bücher mehr lesen. Geschichten begleiten mich ständig und ganz besonders beim Buchbloggen, denn seit einigen Monaten beziehe ich bewusst Storytelling-Elemente in meine Blogtexte ein. Schließlich kann ich aus den spannenden Geschichten, die Bücher erzählen, auch etwas für mein eigenes Schreiben lernen. Nach meinem Vortrag auf den Bloggersessions möchte ich dir heute noch einmal meine liebsten Storytelling-Tricks verraten:

1. Spannungsbögen sind nicht nur etwas für den Deutschunterricht.

Jede gute Geschichte folgt einem Spannungsbogen, denn dieser sorgt erst für die emotionale Achterbahnfahrt des Lesers. Es gibt verschiedene Arten des Spannungsbogens, aber die einfachste Variante stammt von Syd Field. Field setzt den Spannungsbogen aus Exposition, Konfrontation und Auflösung zusammen. Vereinfacht ausgedrückt gibt es eine Ausgangssituation mit einem Helden. Der Held wird im weiteren Verlauf mit einem Problem konfrontiert und löst dieses letztendlich.

Die 3-Akte Struktur
© www.schreibmeer.com

2. Was für Geschichten soll ich schreiben? Die 7 Basic Plots nach Christopher Booker

Booker Basic Plots
© www.london screenwritersfestival.com

Laut Christopher Booker kann jede Geschichte der Welt auf 7 Grundgeschichten zurückgeführt werden:

1. Das Monster vernichten (z.B. Dracula)
2. Vom Tellerwäscher zum Millionär (z.B. Aschenputtel)
3. Die Aufgabe bzw. Suche (z.B. Der Herr der Ringe)
4. Reise und Rückkehr (z.B. Alice im Wunderland)
5. Komödie (z.B. Stolz & Vorurteil)
6. Tragödie (z.B. Faust)
7. Wiedergeburt (z.B. Schneewittchen)

Ich finde diese so interessant, weil sie als Inspiration für deine zukünftigen Geschichten dienen können. Wenn du weißt, welche Arten von Geschichten es gibt, dann kannst du besser entscheiden, was zu dir passt und worüber du schreiben könntest.

3. Für wen schreibst du? Kenne deine Zielgruppe.

Am erfolgreichsten sind Blogartikel, wenn sie direkt eine Zielgruppe ansprechen. Das bedeutet nicht, dass du jetzt nicht mehr über das schreiben kannst, was du willst, aber du solltest dir über die Bedeutung der Zielgruppe im Klaren sein. Finde heraus und definiere für dich, wer überhaupt deinen Blog liest. Im zweiten Schritt machst du dir Gedanken darüber, was diese Menschen anspricht und für welche Themen sie sich interessieren. Diese Themen stellst du dann in deinen Geschichten dar.

4. Schreib verständlich!

Die schönste Idee für deinen Buchblog bringt überhaupt nichts, wenn du dich nicht gut und verständlich ausdrücken kannst. Deshalb versuche auf Fremd- und Fachwörter so gut es geht zu verzichten. Du musst nicht wie ein Professor klingen, das wirkt nur gestelzt und schreckt ab. Am besten verfasst du Texte mit den Wörtern, die deine Zielgruppe selbst benutzt.

5. Das Spiel mit den Erwartungen

Du kannst dich bewusst an eine der Vorlagen aus den 7 Basic Plots halten, aber du musst nicht. Du kannst die Plots brechen oder kombinieren, nur langweile deine Leser nicht. Viele Buchblogger greifen beim Aufbau ihrer Rezensionen auf das beliebte Schema aus den Überschriften Inhaltsangabe, persönliche Meinung und Fazit zurück. Für mich ist das der Dreiklang der todlangweiligen Rezension! Damit erfüllst du zwar gängige Erwartungen, aber du hebst dich eben auch nicht von anderen Bloggern ab. Mit dieser strikten Struktur gelingt es übrigens auch nicht gut, Geschichten zu erzählen.

6. Warum habe ich schon wieder 3 Stunden Serien auf Netflix geschaut? Cliffhanger.

Cliffhanger sind fies, aber ungemein wirkungsvoll. Jede gute TV-Serie nutzt ständig Cliffhanger, am besten noch mehrmals innerhalb einer einzigen Folge. Sie steigern so gut die Spannung, weil unerledigte Handlungen besser im Gedächtnis bleiben als bereits erledigte. Also nutz doch innerhalb eines Artikels einen Cliffhanger oder verbinde eine Reihe von Artikeln mit Cliffhangern.

Cliffhanger

7. Und wie kann Storytelling jetzt konkret in Buchblogs beispielsweise bei Rezensionen verwendet werden?

Bisher waren meine Tipps eher theoretisch und du fragst dich sicher, wie du das nun konkret umsetzen könntest. Eines meiner Lieblingsbeispiele für gutes Storytelling in Buchblogs ist der Kaffeehaussitzer (Uwe). Seine Rezension zum Buch „Berlin Heartbeats“ hat er aufgebaut, indem er zu Beginn eine Anekdote erzählt und damit neugierig auf seine Erinnerungen an Berlin macht. Der Kaffeehaussitzer erzählt nun aber nicht gleich von seinen Erfahrungen aus der Vergangenheit, sondern schreibt über das Buch „Berlin Heartbeats“. Erst am Schluss verrät Uwe uns seine schönste Erinnerung. Mit diesem Aufbau hat Uwe zunächst einmal nicht mehr den „Dreiklang der todlangweiligen Rezension“ (siehe Punkt 5) nötig. Darüber hinaus hat er durch den Cliffhanger noch Spannung geschaffen und er erzählt eine tolle und persönliche Geschichte.

Janine Rumrich

Über die Autorin

Janine bloggt über Bücher und Literatur auf dem Blog „Frau Hemingway“. Wenn sie nicht gerade Bücher liest oder darüber schreibt, dann studiert sie an der TU Chemnitz Kundenbeziehungsmanagement, was als „irgendwas mit Marketing und Wirtschaftsinformatik“ beschrieben werden kann. Nebenbei arbeitet sie als Werkstudentin im Onlinemarketing eines Softwareunternehmens für autonomes Fahren.

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2 Kommentare zu “Von Geschichten lernen: 7 Tricks aus dem Storytelling für Buchblogs

  1. Eine gute Rezension zu schreiben, ist so schwer, wie einen guten Roman zu verfassen. Manch einer kann es eben und manch einer, bricht sich den Hals.
    Ich versuche es jedes Mal aufs Neue. Obwohl ich denke, mein Hals knackt öfter.
    Liebe Grüße
    Andrea

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