Ausbildung bei den Ullstein Buchverlagen

In die Verlagswelt eintauchen und die Arbeit mit Büchern zum Beruf machen – das klingt traumhaft, oder? Eine Ausbildung in einem Verlag zu absolvieren ist eine Möglichkeit, diesen Traum Realität werden zu lassen. Caroline schließt ihre Ausbildung bei den Ullstein Buchverlagen in diesem Monat erfolgreich ab. Im Interview erzählt sie uns mehr von ihrer Arbeit im Verlag und ihrer Zeit am mediacampus in Frankfurt. Dabei verrät sie uns u.a., welche ihre Lieblingsabteilung war, welche Aufgaben ihr besonders viel Spaß bereitet haben und wie es für sie nach der Ausbildung weitergeht.

Wie nennt sich die Ausbildung, die du absolviert hast?

Ich habe die Ausbildung zur Medienkauffrau Digital & Print bei den Ullstein Buchverlagen gemacht. Medienkaufleute lernen im Laufe ihrer Ausbildung jede Abteilung eines Verlags kennen und erlangen so umfangreiches Wissen über die Arbeit in einem Verlag. Früher hieß die Ausbildung Verlagskaufmann/-frau. Der Name hat sich mit der wachsenden Medienwelt verändert.

Wie lange ging deine Ausbildung?

In meinem Fall ging die Ausbildung zwei Jahre. Die Dauer ist jedoch vom Verlag abhängig. In der Regel geht die Ausbildung drei Jahre und kann auf 2,5 Jahre verkürzt werden.

Warum hast du dich für die Ausbildung entschieden?

In erster Linie habe ich mich für die Ausbildung entschieden, weil ich gerne lese und auch selbst schon Texte verfasst habe. Mich hat zudem schon lange interessiert, welche verschiedenen Stationen ein Manuskript durchläuft bis es zu einem fertigen Buch gebunden wird und ich es im Buchladen kaufen kann.

So entstehen Bücher: Die Arbeit im Verlag

Caroline vor der Bücherwand im Eingangsbereich des Verlags

Welche Abteilungen gibt es in der Regel in einem Verlag?

Jeder Verlag hat die Abteilungen Lektorat, Vertrieb, Marketing, Presse & Veranstaltungen, Rechte & Lizenzen und Herstellung. Das Personalwesen, die Buchhaltung und eine IT braucht ein Verlag natürlich auch. Bei Ullstein gibt es noch eine Besonderheit: die neuen Geschäftsinitiativen. Darunter fallen unsere Imprints Forever, Midnight und Refinery.

Hattest du auch eine Lieblingsabteilung?

Die Herstellung und die Lizenzen waren wirklich sehr spannend. In der Herstellung habe ich viel über das Papier, die Ausstattung und Kalkulationen der Auflagen gelernt, während in den Lizenzen besonders interessant war, wie ein Buch weiterverarbeitet werden kann, zum Beispiel als Hörbuch, als Film oder als fremdsprachige Ausgabe. Am meisten Spaß hat mir jedoch das Marketing gemacht.

Was hat dir im Marketing denn am besten gefallen?

Ich arbeite gerne eigenständig und im Marketing war dies möglich. Obwohl ich hauptsächlich zugearbeitet habe, gab es trotzdem die Möglichkeit einzelne Teilaufgaben komplett zu übernehmen. Zu meinen Aufgaben haben unter anderem Social Media Posts, Auswertungen für Marketingkampagnen und eine Umfrage für ein neues Projekt gehört. Meine Mitazubine und ich konnten auch zwei Inhalte auf den Social Media-Plattformen selbst gestalten. Den Inhalt konnten wir frei wählen und das Foto sowie die Bildunterschrift wurden ebenfalls nur von uns erstellt. Wir haben uns dafür entschieden, etwas über die Ausbildung zu posten und darauf aufmerksam zu machen, dass Verlage ausbilden.

Und wie hat dir die Arbeit im Verlag insgesamt gefallen?

Die Arbeit im Verlag ist sehr abhängig von den einzelnen Abteilungen. Als Azubi ist man zusätzlich davon abhängig, wie viel in einer Abteilung aktuell zu tun ist. Da kann es schon passieren, dass es ein bisschen Leerlauf gibt und an anderen Tagen unglaublich viel zu erledigen ist. Ich denke jedoch, dass das nichts Ungewöhnliches ist und es in den meisten Berufen ähnlich zugeht. Alles in allem war die Arbeit im Verlag sehr abwechslungsreich und spannend.

Der Instagram-Post, den Caroline mitgestalten konnte

Die abteilungsübergreifenden Projekte haben mich besonders begeistert. Es ist faszinierend wie unterschiedlich die Fähigkeiten und Ideen der Mitarbeiter*innen verschiedener Abteilungen sind. Zum Beispiel haben wir in einem Projekt Persona-Steckbriefe erstellt, um die Zielgruppen für verschiedene Bücher besser definieren zu können. In diese Projektarbeit war jeweils mindestens eine Person aus jeder Abteilung miteinbezogen.

Spannend! Was steht in einem solchen Persona-Steckbrief?

Die Steckbriefe enthalten sowohl einen fiktiven Namen als auch detaillierte Angaben darüber, wie viel die Person verdient und welchen Familienstand oder Bildungsgrad sie hat. Wir halten in dem Steckbrief auch Hobbys, Interessen, Urlaubsziele und die Mediennutzung fest. Dabei ist der letzte Punkt besonders wichtig. Im Arbeitsalltag sieht die Nutzung der Steckbriefe dann so aus: Im Lektorat wird ein Manuskript geprüft und die/die zuständige*r Lektor*in definiert eine Zielgruppe. Damit man nicht für jedes Buchprojekt erklären muss, was man sich unter dieser Zielgruppe vorstellt, gibt es die Steckbriefe. Die/der Lektor*in muss also ihren Kolleg*innen im Marketing, in der Presse und im Vertrieb nur sagen, welcher Steckbrief für das neue Manuskript relevant ist. Die Kolleg*innen wissen daraufhin genau, welche Medien sie ansprechen müssen und wie viel das Buch kosten darf, um die richtige Zielgruppe zu erreichen.

An welcher Aufgabe bist du am meisten gewachsen?

Ich durfte für eines unserer Imprints die Entstehung einer Programmvorschau begleiten. Das bedeutet, dass ich für die rechtzeitige Fertigstellung verantwortlich war. Die Kommunikation zwischen den Grafiker*innen und der Abteilungsleitung war hierbei meine Hauptaufgabe. Das Briefing und die Prüfung der Daten sind zum Beispiel ein Teil dieser Kommunikation. Es war anfangs schwieriger als gedacht, nicht vom Zeitplan abzuweichen, aber am Ende hat alles funktioniert.

Ist dir noch etwas besonders im Kopf geblieben?

Ja, mir ist besonders der abwechslungsreiche Einblick in die Branche im Kopf geblieben – nicht nur innerhalb des Verlags, sondern auch auf den Buchmessen und durch zahlreiche Exkursionen. Ich durfte zum Beispiel für drei Tage eine Druckerei besuchen. Es ist beeindruckend, wie schnell und präzise die riesigen Maschinen ein Buch produzieren. Die Exkursion in einen Hörbuchverlag hat mir auch sehr gefallen. Dort hatte ich sogar die Möglichkeit, ein Tonstudio zu besuchen und einen Text einzusprechen.

Lernen umgeben von Büchern: der mediacampus

Hast du berufsbegleitend die Berufsschule besucht?

Das war bei mir zum Glück ein bisschen anders, da ich auf den mediacampus in Frankfurt am Main gegangen bin. Dort wird im Blockunterricht, also zweimal neun Wochen lang, unterrichtet. Ich habe es sehr genossen an einem Stück in der Berufsschule zu sein. So konnte ich mich wirklich auf das Lernen konzentrieren und wurde nicht durch Projekte oder Deadlines auf der Arbeit abgelenkt.

Waren am mediacampus nur Medienkaufleute?

Nein, hauptsächlich werden dort Buchhändler*innen unterrichtet. Es gibt immer nur eine Klasse mit Medienkaufleuten, da diese Ausbildung nur wenige machen. Es gibt allerdings auch Klassen mit Fachwirten und Kaufleuten im Einzelhandel, die in der Regel viel kürzer auf dem Campus sind. Außerdem bietet der mediacampus sehr viele Weiterbildungen für Mitarbeiter*innen der Buchbranche an.

Die Bibliothek auf dem mediacampus

Welche Schulfächer haben dir gefallen und welche nicht?

Vertrieb war nicht so meins. Wirtschaft-, Arbeits- und Sozialrecht haben mir am besten gefallen, da ich hier das Gefühl hatte, viel für das spätere Leben zu lernen. Aber auch kaufmännisches Rechnen, Politik und Herstellungsprozesse – vor allem die Schulungen in InDesign und Photoshop – mochte ich sehr. Die Vorlieben sind jedoch bei jedem unterschiedlich. Zum Beispiel mochten viele in meiner Klasse das Fach Branchengrundlage. Die Lehrer geben wirklich ihr Bestes, den Azubis den Stoff in allen Fächern beizubringen. Daher gab es kein Fach, dass ich als schrecklich bezeichnen würde.

Habt ihr auch langfristige Projekte gemacht?

Ja, die Medienkaufleute haben an einem Ratgeberprojekt gearbeitet. Wir haben eine Ratgeberbuchreihe entworfen mit Cover, Klappentext, Marketing- und Vertriebsstrategien. Die Buchhändler haben stattdessen ein Schaufenster gestaltet mit aufwendiger Deko und einem Konzept dahinter.

Und was hat dir am mediacampus am besten gefallen?

Die Berufsschule in Frankfurt hat wirklich viel Spaß gemacht. Dort hatte ich die Möglichkeit mich mit anderen Medienkaufleuten über gemeinsame und unterschiedliche Erfahrungen auszutauschen. Der mediacampus bietet außerdem abwechslungsreichen Unterricht und zahlreiche Veranstaltungen. Zwei Mal in der Woche gab es eine Lesung oder ein Verlag hat sich vorgestellt. Und nicht zu vergessen: In der Mitte des Schulblocks gab es ein Bergfest, das im zweiten Schulblock auch von den Ullstein-Azubis ausgerichtet wurde. Hier war Michael Buchinger, YouTuber, Kolumnist, Ullstein-Autor und Kabarettist, zu Gast und hat aus seinem Buch Lange Beine, kurze Lügen gelesen. An dem letzten Abend auf dem mediacampus gibt es außerdem immer die Veranstaltung Bedient & Bekocht. Bei diesem Event kocht eine Cateringfirma und den Schüler*innen wird von den Lehrer*innen ein 3-Gänge-Menü serviert.

Bücher über Bücher
Michael Buchinger zu Gast auf dem mediacampus
Petra Hartlieb liest aus ihrem Buch
Das 3-Gänge Menü bei Bedient & Bekocht

Wie geht es für dich weiter? Wirst du weiterhin in der Buchbranche arbeiten?

Ich habe mich zunächst für ein Studium entschieden. Wo mich mein Weg danach hinführt, weiß ich noch nicht. Ich bin auf jeden Fall froh, schon Mal in das Arbeitsleben reingeschnuppert und ein Unternehmen von allen Seiten kennengelernt zu haben. Vielleicht zieht es mich nach dem Studium wieder zurück in die Buchbranche und auch wenn nicht, habe ich während meiner Ausbildung trotz allem viele wichtige Erfahrungen sammeln können.

Wir bedanken uns bei Caroline für dieses schöne und sehr informative Interview und wünschen ihr ganz viel Erfolg auf dem weiteren Berufsweg! Wie sieht es bei Ihnen aus? Hat Ihnen das Interview Lust gemacht, einen Verlag von innen kennenzulernen?

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