Barcamp – Soll ich oder soll ich nicht?

Header Litcamp Heidelberg 2018

Sie sind in aller Munde und verbreiten sich wie Lauffeuer – Bar- und Literaturcamps. Seit einigen Jahren liest man immer wieder von den seltsamen Veranstaltungen, von denen alle begeistert sind, unter denen man sich aber kaum etwas vorstellen kann.
Bald ist das Litcamp Hamburg und für alle die, die sich noch unsicher sind, ob das was für sie wäre, schreibe ich diesen Gastbeitrag. Denn noch Anfang Juni ging es mir genauso: als ich ein Ticket für das Litcamp Heidelberg gewonnen habe, stand ich erstmal vor vollendeten Tatsachen: Ich fahre dahin.

Und jetzt?

Zunächst einmal muss man sagen, dass die Netzwerke rund um die größeren Barcamps großartig sind. Orte, an denen man übernachten kann, Fahrgemeinschaften und Co. finden sich super schnell – was bedeutet, dass es eine spontane Sache sein kann, zu einem solchen Camp zu fahren. Es mildert die Panik, wenn man genau weiß, dass man sich auf eine so wundervolle Community berufen kann.

Aber was ist das eigentlich und was kann ich erwarten, wenn ich zu einem solchen Barcamp fahre?

Das Grundlegende, was alle Barcamps gemeinsam haben, ist liebevolles Chaos. Man kommt an und muss sich erstmal orientieren. Darauf muss man sich einstellen. Auf einem Barcamp kann außerdem jede*r Sessions geben. Das heißt, es ist abhängig von einer hohen Selbstorganisation der Menschen. Der äußere Rahmen ist dementsprechend locker. Vorträge werden angeboten (man kann sich natürlich auch selber beteiligen), man stellt sich einen eigenen Stundenplan zusammen und dann geht es auch schon los.

In Heidelberg durfte ich über psychische Krankheiten in Büchern, die Kunst Regeln zu brechen, Genrebezeichnungen von Büchern, toxische Beziehungen in der Literatur lernen, während ich selbst (mit einer Freundin) den Teilnehmer*innen Informationen über das Mittelalter vermittelte.

Litcamp Heidelberg 18 Sessions
Ⓒ Valentin Bachem
Litcamp Heidelberg Session
Ⓒ Valentin Bachem

Man darf erwarten, dass alle Leute mit einem auf Augenhöhe sind und man, völlig egal, ob man zum ersten oder zum zehnten Mal auf einem Barcamp ist, als vollwertiges Mitglied der Gemeinschaft akzeptiert wird.
Gleichzeitig muss es aber auch jeder*m klar sein, dass man mit vielen fremden Menschen Kontakt haben wird. Darum geht es ja eigentlich auch. Netzwerken, Austausch, Vorträge anhören und geben. Neulinge, die schüchtern am Rand stehen, müssen sich trauen, einfach mal Leute anzusprechen. Man überwindet Grenzen, gerade als schüchterner Mensch. Dass sich das lohnt, steht außer Frage. Es ist aber auch außerordentlich anstrengend.

Am Ende steht man da mit einem Eimer neuer Erfahrungen, sehr vielen Menschen, die man liebgewonnen hat und einem 10-Stunden-Schlafdefizit. Kaputt aber glücklich.

Es lohnt sich also, lautet die Devise. Auch wenn man beim ersten Mal lernt, abzuschätzen, ob man das wirklich kann. Wenn man sich im Herbst noch nicht bereit für Hamburg fühlt, ist – nächstes Jahr ist wieder Litcamp-Saison. Vielleicht klappt es ja dann. Denn das wichtigste ist, dass man Spaß hat und sich wohlfühlt.

Michelle Janßen Ⓒ Elenor Avelle
Ⓒ Elenor Avelle

Über Michelle

Michelle Janßen ist süddeutsche Autorin, Journalistin und Lektorin. Sie studiert Germanistik und Geschichte in Freiburg. Im Herbst erscheint ihre Novelle „Leahs Geschichte“. Wer noch mehr über Michelles Erfahrungen in Heidelberg und die Inhalte der einzelnen Sessions lesen möchte, kann das auf ihrem Blog tun.

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2 Kommentare zu “Barcamp – Soll ich oder soll ich nicht?

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