Richard Barenberg und Vanida Karun über den Traumberuf Hörbuchsprecher*in

Damit uns ein Hörbuch so richtig begeistern kann, muss nicht nur die Geschichte stimmen – besonders wichtig ist auch, wie gut der*die Hörbuchsprecher*in das Buch zum Leben erwecken kann! Aber wie wird man eigentlich Hörbuchsprecher*in und wie sieht die tägliche Arbeit aus? Heute blicken wir hinter die Kulissen dieses spannenden Berufs. Hörbuchsprecher*innen Richard Barenberg und Vanida Karun erzählen uns im Interview, wie sie zum Sprechen gekommen sind, was ihnen an ihrer Arbeit besonders viel Freude bereitet und welchen Herausforderungen sie sich stellen müssen.

Was war dein Werdegang zum Beruf des Hörbuchsprechers bzw. der Hörbuchsprecherin?

Vanida Karun: Sprechen war schon eines meiner Lieblingsfächer an der Schauspielschule. Direkt nach der Ausbildung habe ich ein paar Sprecherjobs gemacht. Die Idee des Hörbuchsprechens kam aber das erste Mal durch meine Großmutter auf: 2002 hatte sie begonnen zu erblinden und litt sehr darunter, nicht mehr lesen zu können. Also fing ich an, kleine „Hörbücher“ ihrer Lieblingstexte für sie aufzunehmen.
Dann erfuhr ich von einer Stiftung namens Blindenhörbücherei, die Hörbücher an blinde und sehbehinderte Menschen kostenlos in die ganze Welt verschickt. Was für eine tolle Sache! Ich bewarb mich und verbrachte nach meiner Zusage drei Jahre lang jede Woche mindestens vier Stunden im Untergeschoss der traumhaften alten Jugendstilvilla, die die Norddeutsche Blindenhörbücherei damals beheimatete. Dort konnte ich in aller Ruhe vor mich hin puzzeln und mich an unterschiedlichsten Genres versuchen. Ich liebte die Stunden im Keller und betrachtete sie als „bezahltes Lernen“. Es gab zwar nicht viel Geld, war aber ja auch für einen guten Zweck, und ich bekam immer mehr Übung, also was will man mehr.

© privat
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Irgendwann fühlte ich mich bereit, meine Hörproben zu verschicken und ein kleiner Verlag gab mir meine erste Chance. Der Hörbuch Hamburg Verlag folgte und Stück für Stück viele weitere…
Im Prinzip habe ich es also meiner Großmutter zu verdanken, heute das machen zu dürfen, was ich liebe und inzwischen über 200 Hörbücher eingesprochen zu haben und euch tollen Hörer*innen da draußen, die ihr mögt, was ich mache und meinem Können vertraut. Dafür an dieser Stelle nochmal lieben Dank!

© Salim Yousef
© Salim Yousef

Richard Barenberg: Ich habe zunächst ein Schauspielstudium absolviert in Leipzig und war danach für einige Jahre fest am Theater in Weimar und Rostock, bevor ich dann freischaffend hauptsächlich für Bühne und hin und wieder auch für TV und Film gearbeitet habe. Live-Lesungen gehörten und gehören auch zu meinem Betätigungsfeld. Durch eine befreundete Kollegin habe ich ein Probelesen für Hörbuch bei der Lauscherlounge von Oliver Rohrbeck gemacht, das war 2012. Dann kamen die ersten Hörbücher und Hörspielrollen und das, was als zweites Standbein startete, wurde ab ca. 2014/15 zu meinem ersten 😉 Jetzt ist es umgekehrt, ich mache hin und wieder Ausflüge in den Schauspielberuf und bin hauptsächlich im Aufnahmestudio beheimatet.

Was begeistert dich an dieser Arbeit? Und wie ist es für dich, stets in neue Geschichten eintauchen zu können?

Vanida Karun: Ich liebe es, in Rollen schlüpfen zu dürfen, die ich allein aufgrund meines Geschlechts, meiner physiologischen Features, meiner Ethnie und so weiter nie spielen dürfte. Und das Eintauchen in fremde Welten empfinde ich als absolutes Geschenk, weil es bestenfalls nicht nur meine Fantasiewelt bereichert. Manchmal bin ich ehrlich gesagt richtig traurig, wenn ich mich aus einem Buch wieder verabschieden muss.

Richard Barenberg: Ich habe immer gerne gelesen, privat wie beruflich. Und ich habe auch immer gerne anderen vorgelesen, aktuell z. B. ganz viel meiner dreijährigen Tochter. Insofern ist die Hörbucharbeit wie mein Hobby zum Beruf zu machen. Des Weiteren gibt mir die Arbeit an Büchern mehr Eigenverantwortung für das, was am Ende dabei rauskommt. Außerdem genieße ich das „Eingrooven“ mit Toningenieur*innen und die kleine Reise, auf die man sich mit jedem Buch begibt. Ich bin jedes Mal wieder aufs Neue fasziniert, wenn ein Hörbuch fertig geschnitten und gemastert auf den Markt kommt und wie viele andere wichtige Menschen so wundervolle und wichtige Arbeit geleistet haben, um ein Hörbuch zu produzieren. Und natürlich nicht zu vergessen, sind es immer wieder Autor*innen und ihre Geschichten, die mich hoffentlich nie aufhören werden zu begeistern.

Was kannst du Interessierten mit auf den Weg geben? Hast du Tipps und Tricks für angehende Sprecher*innen?

Vanida Karun: Die Frage „Wie wird man eigentlich Hörbuchsprecher*in?“ höre ich super oft. Meine Kurzantwortvariante ist: Liebe, Talent, eine gute fundierte Ausbildung, eine Prise Glück und last but not least lesen, lesen, lesen, genauso wie hören, hören, hören. Ich coache selber auch Kolleg*innen und kann aus meiner Praxis sagen: Wenn Du gerne Hörbücher machen möchtest, selber aber keine Hörbücher hörst und vielleicht auch gar nicht so gerne liest, ist es so gut wie unmöglich.

Richard Barenberg: Ehrlich gesagt tue ich mir schwer mit Ratschlägen, was die Laufbahn oder die Arbeit als Sprecher*in angeht. Die Wege, wie man zu diesem Beruf kommen kann, sind so verschieden und die Arten, Geschichten zu erzählen, sind es ebenfalls. Also ist der einzige Rat, den ich geben kann, der, sich nicht zu verstellen vorm Mikro und immer nach der eigenen Weise des Erzählens zu suchen. Dabei hilft, wenn man sich in einem vertrauensvollen Arbeitsumfeld befindet, um das bestmögliche Ergebnis zu erreichen. Meiner Meinung nach geht das am besten, indem man sich öffnen kann und wirklich auf die Geschichte einlässt. Der Rest ist leider wie in eigentlich allen Berufen: Fleiß und üben, üben, üben…. und nie den Spaß verlieren!

Wie bereitest du dich auf ein Hörbuch vor?

Richard Barenberg: Zunächst einmal lese ich das Buch. Still. Für mich. Dann lese ich Passagen laut. Und der Rest bleibt mein Geheimnis.

Was sind Herausforderungen der Tätigkeit als Hörbuchsprecher*in?

Vanida Karun: Die größte Herausforderung ist es, über einen langen Zeitraum die Konzentration und den Fokus zu halten. Da hilft natürlich immer viel Erfahrung. Außerdem ist es manchmal gar nicht so einfach, den richtigen Ton zu finden und der Stimmung des Buches gerecht zu werden.

Vanida, du hast bereits viele beliebte Hörbuchreihen für für den Hörbuch Hamburg Verlag eingelesen, von aufregenden Fantasy-Reihen wie „Flame & Arrow“ zu romantisch-charmanten Serien wie „Floras Küche“. Was ist das Besondere am Einlesen von Hörbuchreihen?

Vanida Karun: Das Schöne ist, dass man sich wirklich auf eine Welt einlassen darf und seine liebgewonnenen Charaktere über einen längeren Zeitraum begleitet und ihnen immer wieder begegnet, sodass man auch wirklich über einen längeren Spannungsbogen an der Entwicklung der jeweiligen Figuren teilhaben kann.

Wie stellst du dich stimmlich auf die verschiedenen Genres ein, z. B. Romance vs. Young Adult Fantasy?

Vanida Karun: Da gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Je nachdem, welcher Sinneskanal gerade am wichtigsten ist, arbeite ich mit auditiven, kinästhetischen oder visuellen Signalen: manchmal zum Beispiel eine bestimmte Musik oder ein bestimmter Höreravatar, den ich mir vorstelle, Bilder, die der Stimmung gerecht werden. Manchmal auch alles zusammen.

Entdecken Sie die aktuellen Hörbuch-Highlights der Sprecher*innen bei NetGalley!

„Das Apfelblütenfest“ (gelesen von Richard Barenberg) kann aktuell im Rahmen des Hörbuch-Herbstes angefragt werden! Entdecken Sie außerdem bereits jetzt die Hörprobe von „Weihnachten in der kleinen Buchhandlung“ (gelesen von Vanida Karun) und merken Sie sich den Titel per Anfrage vor. In voller Länge ist das Hörbuch ab dem 24. Oktober auf NetGalley verfügbar.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Vanida Karun und Richard Barenberg für das aufschlussreiche Interview und wünschen Ihnen viel Freude beim Hören!

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7 Kommentare zu “Richard Barenberg und Vanida Karun über den Traumberuf Hörbuchsprecher*in

  1. Vielen Dank für die interessanten Einblicke.
    Das „Apfelblütenfest“ höre ich gerade und bin sehr begeistert, eine schöne Geschichte und von Richard Barenberg toll gelesen!

  2. Auch ich fand das Interview sehr interessant. Dachte immer eine angenehme Stimme und die Fähigkeit zur Satzbetonung reichen 😜 Aber da gehört ja viel mehr dazu. Toller Beitrag. Werde nun auch das Apfelblütenfest „inhalieren „

  3. Besten Dank für diese Interviews, die viele Aspekte einer Tätigkeit als Hörbüchersprecher/innen erfassen.
    Gefragt habe ich mich danach, inwieweit die Gemütslage von Bedeutung ist, der Stoff und nicht nur ein Genre maßgebend sein kann, um die Karriere eines Hörbuchsprechers/in fortzusetzen, vor allem wenn er oder sie vertragesgebunden ist, denn nicht jeder Schauspieler/jede Schauspielerin akzeptiert eine Rolle, die ihm /ihr angeboten wird, und nicht jeder Regisseur sucht sich immer wieder den selben Schauspieler , die selbe Schauspielerin für die jeweiligen Filmrollen aus.

  4. Vielen Dank an die beiden Hörbuch-Sprecher. Da taucht man tief in die Geschichte ein und ich bewundere das Durchhaltevermögen sehr!
    Richard Barenberg konnte ich schon hier genießen und meine Rezi steht.
    Flame and Arrow muss ich auch ganz bald hören.
    Vielen Dank für die tolle Aktion

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