Im Interview: Hörbuchsprecher Johannes Steck

Hörbuchsprecher

Seit fast einem Jahr gibt es auf NetGalley Hörbücher und viele von Ihnen sind in den letzten Monaten zu wahren Hörbuch-Fans geworden! Wir verstehen das gut, denn mit einer richtig guten Geschichte auf den Ohren machen doch so einige lästige Aufgaben gleich viel mehr Freude. Ob uns ein Hörbuch aber so richtig packt, hängt auch davon ab, ob uns der*die Sprecher*in in seinen*ihren Bann ziehen kann. Wem das jedes Mal großartig gelingt, ist Johannes Steck. Johannes Steck ist Schauspieler, Synchron-, Hörspiel- und Hörbuchsprecher und sicher kennen ihn viele von Ihnen aus der Hörbuch-Reihe „Der Donnerstagsmordclub“. Im Januar erschien mit „Der Mann, der zweimal starb“ Band 2 der Krimi-Reihe bei Hörbuch Hamburg und auch hier nimmt uns Johannes Steck (gemeinsam mit Beate Himmelstoß) mit seiner packenden Erzählerstimme und den unterschiedlich gestalteten Figuren mit in die Geschichte.

Interview Johannes Steck

Wir haben mit Johannes Steck gesprochen und ihm unsere drängendsten Fragen rund um „Der Mann, der zweimal starb“ und der Arbeit an einem Hörbuch gestellt. Er erzählt uns von der Arbeit an den Figuren, verrät uns, welche Hörbuchsprecher*innen er besonders mag und gibt Tipps, worauf Sie bei einer Hörbuchrezension achten können. Wir danken Johannes Steck ganz herzlich für diese spannenden Einblicke in seine Arbeit – und Ihnen wünschen wir viel Vergnügen beim Reinhören und Lesen. Mit Klick auf den Play-Button hören Sie einen Ausschnitt aus „Der Mann, der zweimal starb“.

Lieber Herr Steck, Sie sind Schauspieler, Hörbuch- und Synchronsprecher. Was macht für Sie die Arbeit an einem Hörbuch besonders?

Einmal natürlich die Geschichte, dann aber ist es in guten Momenten ein wenig wie eine Meditation. Nur wenn ich mich voll einlasse und in einen Flow komme, mich quasi verliere und nicht mehr ständig zensiere, dann wird es etwas Besonderes.

Erzählen Sie uns ein wenig von der Arbeit an Der Mann, der zweimal starb: Was gefällt Ihnen an der Geschichte besonders gut? Haben Sie eine Lieblingsfigur?

Nein, nicht wirklich, ich finde, dass alle Alten sehr gut gezeichnet sind vom Autor Richard Osman. Elizabeth, Ron, Ibrahim und Joyce sind jeder sehr speziell und trotzdem greifbar, man hat den Eindruck, sie schon immer zu kennen. Sicher sind es auch ein wenig Archetypen, sehr liebenswert, aber erst gemeinsam werden sie zu etwas Besonderem.

Wer auch Der Donnerstagsmordclub gehört hat – den ersten Teil der Reihe, den auch Sie eingesprochen haben –, hat mit Der Mann, der zweimal starb besonders viel Vergnügen, denn gleich im ersten Kapitel wird man von den bereits vertrauten Stimmen der Figuren in Empfang genommen: der brummige Ron, die gewitzte Elizabeth, der nüchterne Ibrahim… Wie sieht die Vorbereitung für Sie aus? Wie gehen Sie vor, um den Charakteren verschiedene Stimmen zu verleihen?

Erst einmal lese ich, was der Autor über sie erzählt, dann versuche ich mir ein Bild von ihnen zu machen. Wie bewegt sich ein Ron? Seine Schultern sind immer ein wenig am Kreisen, ein ehemaliger Boxer, immer etwas ruppig, Ibrahim hat immer einen Stock im Arsch, wie man so sagt, er weiß alles über das Leben, hat aber nie wirklich gelebt. Manchmal nehme ich Menschen, die ich kenne, manchmal suche ich sie in meinem Repertoire aus mittlerweile 400 oder mehr Hörbüchern. Und am wichtigsten, die Stimme kommt über eine Grundhaltung einer Figur, einer Haltung dem Leben gegenüber und tatsächliche einer Körperhaltung. Manchmal stelle ich mir auch ein Tier vor, das der Figur ähnlich ist.

Wie lange dauert es ungefähr, ein Hörbuch wie Der Mann, der zweimal starb einzusprechen?

Ich lese einmal das Buch für mich, leise, meist abends im Bett und tue so, als wenn ich meinem Hobby fröne. Dann arbeite ich eigentlich wie die meisten Büromenschen, von 9 bis 17 Uhr. Jede Stunde gönne ich mir eine Viertelstunde Pause, dann ist die Luft in meiner Sprecherkabine aufgebraucht und die Fehlerquote nimmt zu. In den Pausen lese ich Zeitung oder gehe spazieren, mache online Yoga, auch gern mit meinem Regisseur zusammen oder laufe die Treppen vom Schloss Seefeld runter und hoch, bis zum Parkplatz sind es rund 300 Stufen. Meistens bewege ich mich, sonst rostet man ja ein.

Hörbuch Hamburg Der Mann der zweimal starb

Gibt es ein Genre, das Sie besonders mögen und in dem Sie besonders gerne arbeiten?

Meistens das Genre, das ich lange nicht mehr gelesen habe. Ansonsten ist es mir egal. Hauptsache ist, dass es gut geschrieben ist und gut übersetzt.

Waren Sie auch selbst immer ein begeisterter Hörer von Hörbüchern? Was schätzen Sie daran?

Als ich noch Theatermaler war, habe ich während der Arbeit immer gern Krimis gehört und schon als Schüler liebte ich Hörspiele. Hörbücher gab es damals kaum.

Welches Hörbuch können Sie Hörbuch-Neulingen besonders empfehlen?

Kein spezielles Hörbuch. Aber ich finde es wichtig, dass es gut gelesen ist. Laura Maire, Katharina Thalbach, Elisabeth Günther, Gert Heidenreich, Stefan Wilkening, David Nathan, Uve Teschner z.B. Die Wichtigkeit der Interpretation wird immer noch ziemlich unterschätzt.

NetGalley ist eine Online-Plattform für professionelle Leser*innen wie zum Beispiel Buchhändler*innen, Journalist*innen und Rezensent*innen, die mit ihren Rezensionen dazu beitragen, dass Bücher bekannt und erfolgreich werden. Woran erkennt man Ihrer Meinung nach eine*n gute*n Hörbuchsprecher*in? Worauf können NetGalley-Rezensent*innen achten?

Vielleicht daran, dass ich bei eine*m guten Sprecher*in nicht das Gefühl habe, dass mir jemand etwas vorliest, sondern er/sie die Geschichte im Moment erfindet. Sie*er die Geschichte wirklich lebt. Und sich in den Dienst der Geschichte stellt und sich selbst nicht so wichtig nimmt.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Johannes Steck für das spannende Interview!

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